Oktober 24, 2017

Der Islam und die Toleranz

Der Islam und die Toleranz

"Wenn der Islam eine Religion des Friedens und der Toleranz wäre, warum sind denn dann so viele Muslime auf der Flucht vor ihm in den von ihnen so verhassten Westen?" kath.net-Kommentar von Ministerpräsident a.D. Prof. Werner Münch

Berlin (kath.net) Seit Jahren überziehen islamistische Terroristen die Welt mit Attentaten: USA, Bali und Djerba, Irak, Syrien, Nigeria und Philippinen, Madrid und London, mehrfach Brüssel und Paris – jüdischer Supermarkt, Redaktion von Charlie Hebdo, Konzertsaal Bataclan, Saint-Denis und Stade de France, Charlerois und Rouen, wo am 26. Juli 2016 ein 84-jähriger Priester während der Feier der Heiligen Messe in der Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray rituell hingerichtet wird, sowie auf der Promenade in Nizza. Und in Deutschland gab es Attentate in Essen, in einer Regionalbahn bei Würzburg sowie in Ansbach, wo sich ein Attentäter bei einem Festival in die Luft sprengte. Eine beispielhafte, längst nicht vollkommene Aufzählung von islamistischen Terrorakten, deren Täter sich auf den Koran berufen und seine Aufforderung zum Kampf gegen die „Ungläubigen“ ernst genommen haben. Bei uns und anderswo im Westen erleben wir oft stumme hiesige Verbände und Moscheenvereine, so wie es u. a. auch bei der Erschießung von Nonnen in Somalia, beim iranischen Konvertitenpastor Behnan Irani, der über fünf Jahre unschuldig im Gefängnis von Karadsch im Iran saß, mehrfach brutal gefoltert und schwer verletzt wurde, oder bei Asia Bibi war, die seit Juni 2009 in Pakistan in Haft sitzt und wegen der Beschuldigung durch muslimische Frauen nach einem Streit wegen Verunglimpfung von Mohammed zum Tode verurteilt wurde, weil sie als Christin aus derselben Wasserschale getrunken hatte und das Höchste Gericht in Islamabad in diesem Oktober zum fünften Mal eine Verhandlung wegen eines eventuellen Aufhebens der Hinrichtung ohne Nennung eines neuen Termins vertagt hatte. Islamische Geistliche und Gelehrte bedrohen die Richter und Verteidiger von Asia Bibi, die fünf Kinder hat. Christen sind in Pakistan Menschen 2. Klasse.

In dem aufsehenerregenden Buch von Louis Raphael Sako, Patriarch der chaldäischen Kirche im Irak, mit dem Titel „Marschiert endlich ein! Stoppt die Ermordung der Christen im Nahen Osten. Ein Aufschrei aus Bagdad“ schildert dieser die Zunahme der Verfolgungen und Gewalt gegen Christen seit dem Sturz von Saddam Hussein 2003 und den vielfachen islamistischen Terror, bei dem nicht selten auch Muslime ermordet werden, die Christen schützen. Das Schicksal der Jesiden ist ebenso furchtbar, besonders für die Frauen, die auf den IS-Sklavenmärkten wie Vieh gehandelt und verkauft werden.

Es gibt nicht „den“ Islam

Wenn man aufgrund dieser Ereignisse der Versuchung unterliegen und den Islam und die Islamisierung undifferenziert gleichsetzen würde, wäre man unredlich, weil es den Islam nicht gibt. Es gibt ihn natürlich als Religion, weit verstreut über unsere Welt, aber nicht als eine homogene Realität, nicht als einen einheitlichen Welt-Islam. Ägypten, Syrien, Libyen, Irak, Afghanistan, Algerien, Tunesien, Nigeria, Somalia und Ost-Europa, Schiiten, Sunniten, Sufisten und Salafisten, Frömmler und Säkulare, die den Koran und Hadithe (Überlieferungen) unterschiedlich auslegen, haben voneinander abweichende historische Traditionen und religiöse Kulturen.

Koransuren, die zum „Heiligen Krieg“ aufrufen

Aber genauso wie eine solche Gleichsetzung an der Realität vorbeigehen würde, wäre es ein ebenso fataler Irrtum, wenn man aufgrund solcher Unterschiede zu der Schlussfolgerung käme, Islam und Islamismus hätten nichts miteinander zu tun. Es wäre schon deshalb falsch, weil sich die Islamisten in ihren Vernichtungsaktionen ja ausdrücklich auf bestimmte Suren des Koran beziehen, die zum „Heiligen Krieg“ aufrufen und sie damit nichts anderes tun als diesem Ruf zu folgen. Und den Muslimen, die die Gewalt ablehnen, weil sie solche Suren lediglich aus der Historie verstehen, die für sie aber in der Gegenwart keine Gültigkeit haben, werfen sie Häresie vor.

Dilemma unterschiedlicher Koranauslegung

Rudolf Möckel, ein Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, stellt in dem von ihm herausgegebenen Buch „Brennpunkt Islam – Hass oder Friedensreligion? Was sagt der Koran?“ völlig zu Recht fest, dass dieses Dilemma der unterschiedlichen Auslegung des Koran unlösbar bleibt, „weil es keine islamische Instanz gibt, die für alle Muslime verbindlich festlegen könnte, welche Koranaussagen nun gelten und welche nicht“ (S. 127).

Ayaan Hirsi Ali: „Ich klage an“

Ayaan Hirsi Ali, die sich der von ihrem Vater geplanten Zwangsheirat durch Flucht in die Niederlande entzogen hat, seitdem einen mutigen Kampf für die unterdrückten islamischen Frauen führt und deshalb häufig Todesdrohungen von islamistischen Fanatikern erhält, beschreibt in ihrem Buch „Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen“ drei wichtige Elemente des islamischen Glaubens: „Das erste Element ist die Beziehung eines Muslims zu seinem Gott: Sie ist angsterfüllt.“ „Das zweite Element ist, dass der Islam nur eine einzige Quelle für seine Moral kennt: den Propheten Mohammed. Mohammed ist unfehlbar“, und schließlich ist das dritte Element „die Dominanz einer Sexualmoral im Islam, die sich von den Werten arabischer Stämme aus den Zeiten ableitet, als der Prophet von Allah dessen Botschaften empfangen hat: eine Kultur, in der Frauen Besitz waren“ (S. 9 f.). Es ist deshalb kein Zufall, dass der Koran für viele Muslime nur arabisch authentisch und im Prinzip auch nicht übersetzbar ist.

Unbestritten sind für den Islam eine patriarchalische Struktur, Gehorsam gegenüber den religiösen Autoritäten und den Eltern, besonders dem Vater, nicht selten bei Anwendung häuslicher Gewalt, und Ungleichheit der Geschlechter mit Nachteilen für alle weiblichen Personen. Eklatante Beweise dafür sind die Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und Ehrenmorde. Und natürlich fördert eine solche Struktur die Gewaltbereitschaft.

Seyran Ates: „Multi-Kulti-Irrtum“

Auch wenn es immer wieder einzelne Anläufe aus der islamischen Welt zur Liberalisierung gibt, ist die Feststellung von Seyran Ates in ihrem Buch „Der Multi-Kulti-Irrtum. Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können“ wohl richtig, die zu dem Ergebnis kommt: „Es gibt fundamentalistische, demokratie- und frauenfeindliche islamische Kräfte, die sich gegen jede Historisierung und Modernisierung ihrer Religion wehren und im 21. Jahrhundert wieder mittelalterliche Zustände zu etablieren trachten“ (S. 210). Seyran Ates, geboren in Istanbul, ist seit 1969 in Deutschland. Sie lebt in Berlin und ist Rechtsanwältin. Sie hat wegen eines tätlichen Angriffs und mehrfacher Drohungen ihre Zulassung als Anwältin zurückgegeben und ihre Kanzlei geschlossen.

Mohammed, Koran, Islam

Eine Beurteilung des Islam ist nicht möglich, ohne wenigstens rudimentäre Kenntnisse von Mohammed und dem Koran zu haben.

Mohammed, arabisch: Muhammad, „Der Vielgepriesene“, ist 570 in Mekka, heute in Saudi-Arabien, geboren. Er verstand sich als ein von Allah gesandter „Prophet aller Völker“. In Mekka war er, etliche Jahre in bitterer Armut lebend, Karawanenführer, und danach in Yathrib, später Medina, verstand er sich vor allem als Kriegsherr, Gesetzgeber, Politiker und Prophet. Er war Analphabet bis zu seinem Lebensende, hatte insgesamt 13 Frauen und Konkubinen und starb als kranker Mann 632 in Medina.

Das zentrale Glaubensbekenntnis des Koran lautet: „Es gibt keinen Gott außer Allah. Und Mohammed ist sein Prophet“. Der Koran lehrt, rechtschaffen zu leben, aber ob das der sichere Weg in die Ewigkeit bedeutet, weiß nur Allah, der immer die letzte Entscheidung hat, so dass vor der endgültigen Rettung immer ein Fragezeichen, ein Vielleicht steht. Der einzig sichere Weg ist der Märtyrertod im Djihad. Dieses arabische Wort heißt zunächst, „sich anstrengen für Allah“, wird aber auch mit „heiliger Krieg“ übersetzt und bedeutet nach den allermeisten Fundstellen im Koran „einen Krieg um des Glaubens willen führen“. Sogar einige Suren weisen schon in ihren Überschriften auf den Auftrag Allahs hin, mit der Waffe für ihn zu kämpfen, z. B. die Suren 8 „Die Kriegsbeute“, 48 „Der Sieg“, 58 „Der Streitende“ und 61 „Die Schlachtordnung“ (s. „Islam von A bis Z. Ein Kurzlexikon“ und „Allahu Akbar. Islamistischer Terror“). Der Koran belegt zweifelsfrei, dass der Islam eine politische Religion ist mit dem Ziel der Errichtung eines Gottesstaates auf Erden, weshalb Muslime in einem Staat immer die Macht anstreben, was die Illusionäre konfliktfreier Integrationswünsche meistens nicht wahrhaben wollen. Aus der Tatsache, dass der Islam eine „politische Religion“ ist, folgen „rechtliche Ordnungsvorstellungen und vor allem politische Machtansprüche, welche mit dem christlichen Selbstverständnis, aber auch mit unserem Grundgesetz nicht kompatibel sind“ (Interview mit Wolfgang Ockenfels in „Die Tagespost“, 22. 12. 2015). Religion, Staat und Politik gehören immer zusammen, und Religion ist im Islam nie Privatsache.

Der Koran bestimmt, was sittlich gut oder schlecht ist. Er verneint ein natürliches Sittengesetz oder „sittliches Naturgesetz“, weil er allein Weisungen erteilt.

Islam heißt „Unterwerfung, Ergebung“, nämlich unter Allahs Willen, und ein Muslim (Moslem ist ein Mensch, „der sich unterworfen hat“, weshalb er auch keine Kritik am Islam oder an Mohammed erlaubt. Er kann deshalb seinen Glauben auch nicht ohne Sanktionen der Umma (Glaubensgemeinschaft) aufgeben.

Umfragen in Deutschland zur Integrationsbereitschaft von Muslimen zeigen auch deshalb nicht zufällig eine ziemlich rigide, d. h. illiberale Koran-Interpretation. Z. B. sagen 75% der Befragten, dass es nur eine, für alle Muslime verbindliche Koran-Auslegung geben kann, und 44% bekennen sich zu fundamentalistischen Auffassungen. In einer anderen Umfrage haben 65% der Befragten erklärt, dass sie die religiösen Regeln des Islam für wichtiger halten als die deutschen Gesetze.

Hamel Abdel Samad: „Der Koran. Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses“

Hamel Abdel Samad, Sohn eines ägyptischen Imams und Islamkritiker, der mit einer Fatwa belegt ist und in Deutschland unter Polizeischutz lebt, hat in seinem Buch „Der Koran. Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses“ eine „Sowohl-als-auch-Koran-Exegese“ formuliert, die er wie folgt zusammenfasst: Man findet im Koran „fast alles: Mitgefühl und Hass, Frieden und Gewalt, Toleranz und Intoleranz, Vergebung und Rache, Zusammenleben und Vertreibung von Andersgläubigen“. Es gibt also keine eindeutigen, übereinstimmenden, sondern widersprüchliche Botschaften, die je nach Lebensabschnitt von Mohammed in der Frühzeit in Mekka oder später in Medina unterschiedlich ausfallen.

Necla Kelek: Islamwissenschaften untersuchen den Koran nicht

Necla Kelek, islamkritische Publizistin, verweist in ihrer Laudatio auf Michel Houellebecq bei der Verleihung des Frank-Schirrmacher-Preises an ihn am 26. September 2016 in Berlin noch auf einen anderen interessanten Aspekt: „Wir haben Islamwissenschaften, die keine Untersuchungen zum Koran oder zu den Hadithen zulassen…Wie mit den 200 Gewaltstellen im Koran umgegangen werden soll, ist kaum ein Seminar wert.“ Sie nennt dies „Wissenschaftsversagen“ eine „Folge der ideologisierten Herangehensweise der Migrationsforschung“ („Die Welt“, 27. 09. 2016).

Toleranz und Diskriminierung von Muslimen und Nichtmuslimen

Der Soziologe Ruud Koopmans, Direktor der Abteilung Migration, Integration und Transnationalisierung im Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin, weist in seinen Untersuchungen darauf hin, dass muslimische Minderheiten in vielen Ländern der Welt ein hohes Ausmaß an Gleichberechtigung genießen – ausgenommen vor allem Myannar und Russland –, während in 34 Staaten der Welt mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit nichtmuslimische Religionsgruppen extrem diskriminiert werden, und dass im islamischen Nahen Osten und in Nordafrika 74% der dort lebenden Bevölkerung ein antisemitisches Weltbild haben. Die Ablehnung von Homosexualität gilt generell, und in zehn muslimischen Ländern ist ihre Tötung sogar geltendes Gesetz („FAZ“, 01. 07. 2016).

Phobie

Es geht nicht um Ausgrenzung oder Generalverdacht, und natürlich ist bekannt, dass auch Muslime von Muslimen verfolgt und getötet werden. Aber es darf auch umgekehrt gegen solche, die die Schwachstellen des Islam und des Koran benennen, keinen Generalverdacht und den Vorwurf der Islamophobie geben. Die Phobie der muslimischen Welt gegen alles Unislamische ist viel größer als die tatsächlich vorhandene Islamophobie.

Religion des Friedens?

Im Islam gibt es den Hass auf Andersgläubige. Der Islam ist keine Religion des Friedens. Und aufgrund mancher Diskussionen und Behauptungen in der Öffentlichkeit ist der Hinweis wichtig, dass eine kritische Bewertung, die auf Tatsachen beruht, etwas Anderes ist als eine unkritische Verharmlosung oder Verteufelung. Wenn der Islam eine Religion des Friedens und der Toleranz wäre, warum sind denn dann so viele Muslime auf der Flucht vor ihm in den von ihnen so verhassten Westen?

Ayaan Hirsi Ali stellt die berechtigte Frage: „Wenn wir Muslime so tolerant und friedliebend sind, warum gibt es dann in islamischen Ländern soviel ethnische, religiöse, politische und kulturelle Zerrissenheit und Gewalt? …Warum sind wir Muslime so voll von Gefühlen der Wut und des Unbehagens und tragen soviel Feindseligkeit und Hass untereinander und anderen gegenüber in uns? Warum gelingt es uns nicht, uns selbst zu hinterfragen“? (S. 42).

Warum gibt es denn so viele religiös motivierte Übergriffe gegen Christen in unseren Flüchtlingseinrichtungen, soviel Familiengewalt, Parallelgesellschaften, No-Go-Areas und Salafisten, die in Deutschland indoktrinieren und junge Menschen für den IS anwerben? Wenn ich eine solche von einer fremden Kultur ausgehende reale Gefahr sehe und ablehne, bin ich dann ein Brandstifter? Oder bin ich es, wenn ich für die Abschaffung von Kinderehen, Genitalverstümmelungen, Zwangsheiraten oder Ehrenmorden eintrete? Oder dann, wenn ich nachweise, dass die Behauptung falsch ist, dass Christen und Muslime an denselben Gott glauben (Kardinal Woelki)? Oder wenn ich die Auffassungen nicht teile, dass Ängste vor einer „angeblichen Islamisierung Deutschlands kleingläubig“ sind (EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm), wenn ich den Satz für Unsinn halte, dass die Leute besser sonntags in die Kirche gehen als Ängste gegen den Islam aufzubauen (Margot Käßmann). Denn beides hat nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun. Oder wenn ich auf die Tatsache verweise, dass Christentum und Islam nicht das gleiche, sondern ein unterschiedliche Gottes- und Menschenbild haben? Dass die Menschenwürde bei beiden Religionen nicht vergleichbar ist, weil im Christentum die Würde des Menschen vor allem aus der Gottesebenbildlichkeit, also letztlich von Gott selbst kommt und deshalb auch unantastbar ist – übrigens für jeden Menschen und nicht nur für den Christen –, während der Islam dem Menschen diese besondere Würde als Gottes Ebenbild nicht zugesteht?

„So führt man keinen gesellschaftlichen Diskurs!“

Mit Verneinung, Verharmlosung, Beschönigung oder Tabuisierung von Defiziten und Problemen, mit Naivität oder theologischer Anbiederung kann ich nichts anfangen, völlig egal, aus welchen Kreisen sie mit welcher Intention inszeniert werden. So führt man keinen gesellschaftlichen Diskurs! Ich halte es weder für richtig noch für angebracht, dass am Reformationstag in diesem Jahr eine Predigt des Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, in der Laurentius-Kirche in Altdorf bei Nürnberg stattfand, in der er den Teilnehmern einzureden versuchte, dass der Islam Frieden bedeute und dass der Muslim angehalten sei, „mit Gott und seinen Mitmenschen in Frieden zu leben“. Der zuständige Dekan Breu hatte es als Anliegen der Reformation bezeichnet, „althergebrachte Denkstrukturen aufzubrechen“. Die evangelische Kirche müsse mehr als das „Lutheralala“ am Reformationstag anbieten (Rundmail von E. H. an BBC-Leser, 02.11. 2016). Und es kann ja wohl auch keiner ernsthaft von mir verlangen, dass ich auf die Tatsache, dass die ARD in einer Sendung von Anne Will am 6. November 2016 die Schweizer Konvertitin Nora Illi einlädt, die vollverschleiert auftritt und sich beschönigend zur Terrorgruppe IS und zur Ausreise vor allem junger Mädchen in deren Herrschaftsbereich äußert, begrüße und mit Beifall bedenke, auch wenn einige meinen, dies gehöre inzwischen zum Pflichtprogramm von staatsfinanzierten Medien.

Es ist völlig unbestritten, dass es viele friedliebende und tolerante Muslime gibt. Das ist aber etwas anderes als die Behauptung, der Islam insgesamt sei eine friedliebende und tolerante Religion. Kritik am Islam wird leider oft mit Beleidigung gleichgesetzt, weil es im Islam nicht die kritische Methode gibt. Das bedeutet aber nicht, dass wir die kritischen Punkte ignorieren, sie verharmlosen, uns anpassen, sie uns gleichgültig sind und wir uns deshalb dem Geschwätz des mainstream und der „political correctness“ anschließen. Der Hass und die Todesdrohungen gegen Kritiker des Islam, des Koran oder Mohammeds können uns doch nicht entgangen sein. Häufige Vorwürfe der Islamophobie gegen uns bei gleichzeitiger Verhängung der Fatwa gegen Menschen, die Kritik am Islam äußern, muss als Widerspruch offengelegt werden.

Der Respekt und die Achtung eines Christen gegenüber einem nicht-christlichen Gläubigen ist nicht gleichzusetzen mit der Bejahung des anderen Glaubens und einem Verzicht auf die eigenen Glaubenswahrheiten. Die Frage nach der Wahrheit schließt die Bereitschaft zum Verstehen genauso ein wie die Benennung von Verschiedenheiten. Toleranz bedeutet niemals ein feiges Aufgeben der eigenen Positionen und Überzeugungen. Über den Islam und die Gewaltverse im Koran sagt auch Mouhanad Khorchide, Professor für Religionspädagogik an der Universität Münster, in einem Gespräch mit dem EKD-Ratsvorsitzenden, dass „die Muslime klären müssen, wie sie damit umgehen“ („Chrismon Spezial“, Oktober 2016). Auch für uns Christen sind sie Herausforderungen und keine Einladungen für Gutmenschen zum Kuscheln.

Prof. Dr. Werner Münch (Foto) war von 1973 bis 1978 Rektor der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland. Als CDU-Politiker gehörte er von 1984 bis 1990 dem Europäischen Parlament an. 1990 bis 1991 war er Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt, von 1991 bis 1993 ebenda Ministerpräsident. 2009 trat er aus der CDU aus. Der Politikwissenschaftler ist Kuratoriumsmitglied und Schirmherr des Forums Deutscher Katholiken.

Prof. Dr. Werner Münch "Eine staatliche Ordnung im Bewußtsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen"

 

Quelle: kath.net

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