Mai 22, 2018

Egon W. Kreutzer: Von der Glühbirne zum Diesel

Egon W. Kreutzer: Von der Glühbirne zum Diesel

Das Bundesverwaltungsgericht hat über das geurteilt, was ihm zur Entscheidungsfindung vorgelegt wurde.

Es hat keinesfalls bestätigt, dass von Stickstoffoxyden Gesundheitsgefahren ausgehen, es hat nicht bestätigt, dass der von der EU gesetzte Grenzwert nach wissenschaftlichen Kriterien ermittelt wurde, es hat folglich auch nicht darüber geurteilt, ob Fahrverbote erlassen werden müssen, es hat lediglich festgestellt, dass Städte und Kommunen berechtigt sind, ohne ein entsprechendes Bundesgesetz, in eigener Machtbefugnis Fahrverbote zu erlassen wenn anders die Einhaltung der Grenzwerte nicht möglich erscheint.

Ich gebe zu, ich bin selbst betroffen, was mich in diesem Fall zum "Befangenen" macht.

Da ich aber kein Richter bin, darf ich auch befangen sein und mich trotzdem zu Wort melden.

Mein Diesel war – nach elf vorangegangenen Bezinern – mein erster Diesel. Ausschlaggebend dafür war die Tatsache, dass die Dieseltechnologie inzwischen soweit gereift war, dass sich der Motor im Fahrbetrieb nicht mehr vom Verhalten eines Beziners unterscheiden ließ, ja selbst das typische Motorengeräusch war soweit gezähmt, dass man schon sehr genau hinhören musste, um ihn vom Benziner zu unterscheiden

Nachdem hier ein Patt zwischen Otto- und Dieselmotor hergestellt war, gelangten die Verbrauchswert in der Prioritätenreihe für die Kaufentscheidung auf den ersten Rang. Da hatte der Diesel – bei gleicher Leistung – durchaus einen klaren Vorteil, der sich noch dazu über den niedrigeren Kraftstoffpreis wegen niedrigerer Steuerbelastung noch vergrößerte.

Und zudem war alle Welt des Lobes voll für den Diesel, weil man in den Tank für die gleiche Fahrstrecke weniger Kraftstoff einfüllen musste, was direkt dazu führte, dass aus dem Auspuff auch weniger CO2 herauskam. Das Auto war also im Betrieb günstiger und zugleich ein Beitrag zur Absenkung des CO2-Gehalts der Atmosphäre.

Daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert. Nach wie vor blasen die Diesel weniger CO2 in die Luft als vergleichbare Benziner.

Auch die quecksilberfreie Glühlampe war in Bezug auf die Freisetzung von Quecksilber weitaus weniger umweltschädlich als die dann mit aller Macht und einem Glühlampenverbot in den Markt gedrückten Energiesparlampen. Beanstandet wurde, dass Glühlampen weit mehr Strom in Wärme verwandelten als in Licht. Nicht berücksichtigt wurde, dass die Betriebsstunden der Glühlampen sich ganz überwiegend mit den Betriebsstunden der Heizungsanlagen deckten, so dass lediglich eine Verlagerung der Wärmegewinnung von "sauberer" eletrischer Energie auf die weit weniger saubere Verbrennung von Öl, Gas oder Holz in privaten Kleinfeuerungsanlagen stattfand, während das Problem der Endlagerung von hochgiftigem Quecksilber über die Hausmülldeponien elegant gelöst wurde. Kaum jemand hat seine kaputten Energiesparlampen mühsam bei der Sondermülldeponie abgeliefert oder den vielleicht dafür auffindbaren Behälter auf dem Wertstoffhof aufgesucht. Den meisten Konsumenten war weder bekannt, noch bewusst, mit welch einer Giftbombe man sie da ausgestattet hatte.

Doch es wurde ein nicht zu verachtendes Konjunkturprogramm angestoßen, das nach Restnutzung der Glühlampenfabrikationsanlagen durch Energiesparlampen mit Glaskolben und Schraubsockel letztendlich die hochpreisige LED-Technologie hervorbrachte.

Wenn man liest, was der bei Tichys Einblick zitierte, damalige Ministerialdirektor im Bundeswirtschaftsministerium über die Festlegung des EU-Grenzwertes für Stickoxyde sagt, dass es sich nämlich um einen Wert handle, der mit der Dartscheibe geworfen wurde, lässt sich der Verdacht nicht von der Hand weisen, es habe sich insgesamt um ein abgekartetes Spiel gehandelt, dessen erster sichbarer Akt eben die Festlegung jenes vollkommen unbegründeten Grenzwertes war, der von der Autoindustrie wiederum nur indirekt beeinflusst werden kann, denn weder VW noch BMW haben einen Einfluss darauf, wie viele Diesel-Fahrzeuge eine – vom Luftaustausch her problematische – Fahrstrecke in einer Großstadt während der Hauptverkehrszeit benutzen (müssen).

Dass es ausgerechnet das ICCT (International Council on Clean Transportation) war, das 2014 den so genannten "Diesel Skandal" ins Rollen brachte, eine Organisation deren wirtschaftliche Abhängigkeit von großen amerikanischen Stiftungen bekannt ist, weist in die gleiche Richtung.

Die in den USA ausgelösten Klagewellen und die daraus folgenden Strafzahlungen, Entschädigungsleistungen, Rücknahmeaktionen, etc., die zuerst VW, später auch andere Hersteller trafen, waren ein Schlag gegen die deutsche Automobilindustrie, den sie allerdings, obwohl sich die Regierung scheinbar aus der Verantwortung gestohlen hat, in bewundernswerter Weise – die ausgewiesenen Gewinne belegen das – weggesteckt hat.

Die zumindest als "umstritten" zu bezeichnende Deutsche Umwelthilfe, die weite Teile ihres Budgets aus Abmahnaktionen bestreitet, hat nun den Kampf gegen den Diesel auch im Heimatland der Autobauer selbst entfacht. Niemand kann die von ihnen in die Welt gesetzten Horrorzahlen von Todesfällen aufgrund NOX-Belastung seriös bestätigen, alle Hinweise auf bereits erfolgte Reduktion der NOX-Belastung zählen nicht, der "gewürfelte" Grenzwert muss in den Städten gehalten werden, und zwar genau da, wo die Messstellen eingerichtet wurden, um die oft auf eine winzige Fläche beschränkten Maximalbelastungen erfassen zu können. Dass dies Maximalbelastungen aber nicht rund um die Uhr, auch nicht an jedem Tag, sondern eben nur manchmal, stundenweise, auftreten, wenn die Bedingungen besonders ungünstig sind, wird nicht kommuniziert. Die Werte würden sonst ihre Propagandawirkung verlieren, und das scheint nicht erwünscht.

Denn ier stiehlt sich die Regierung nicht nur weiterhin scheinbar aus der Verantwortung, sie unterstützt die DUH auch noch finanziell, statt sich in Brüssel endlich zu Wort zu melden und endlich die Sinnhaftigkeit des Grenzwertes feststellen zu lassen. Doch auch dafür kann man Erklärungen finden.

Spekuliert man nämlich munter ins Blaue hinein weiter lässt sich auch hier eine Absicht vermuten.

Zum Ausgleich für das von den USA gezielt ausgelöste Diesel-Fiasko soll nun das Neuwagengeschäft angekurbelt werden. Kaum anders als seinerzeit mit der Abwrackprämie, nur eben ohne den Einsatz von Steuergeldern.

15 Millionen betroffene Diesel-Besitzer, die sich, aus Sorge um Fahrverbote einen neuen Benziner anschaffen und dafür den Wertverlust beim Verkauf des alten Gefährts in Kauf nehmen, das ist doch schon wieder ein Konjunkturprogramm – und sollte es gelingen, Elektromotoren nicht nur in Fahrzeuge einzubauen sondern für diese auch die gleiche Energieverfügbarket herzustellen, wie heute an der Zapfsäule, dann ergibt die gezielte Vernichtung der Benzinerflotte in fünf Jahren ein neues Konjunkturprogramm.

Dass die hier "verbotenen" Diesel keineswegs in die Schrottpresse wandern, sondern sich zum Exportschlager entwickeln, soll nur am Rande erwähnt werden.

Wo gute Produkte zu lange halten, weil die Kunden auf Preis und Qualtiät schauen, wenn sie sich ein langlebiges Konsumgut, wie ein Auto anschaffen, und jeder Hersteller selbst massive Absatzverluste erleiden würden, der sich dazu verleiten ließe, die Lebensdauer seiner Autos durch gezielten Einbau von "Sollbruchstellen" zu verkürzen, muss die Lebensdauer eben durch den Staat abrupt beendet werden. Wenn sonst der Absatz ins Stocken gerät.

Das geschieht derzeit vor aller Augen mit fadenscheinigen Argumenten, denen in der veröffentlichten Meinung kaum einmal eine kritische Frage entgegengestellt wird.

Um noch einmal auf meine Befangenheit zurückzukommen:

Mein Beschluss, meinen Diesel zu fahren, bis er unter mir zusammenbricht, steht fest. Das ist die einzige Möglichkeit, dem Wertverlust zu entgehen. Zudem habe ich mir vorgenommen, Fahrverbote zu ignorieren. Ein Staat, dessen Regierungsspitze geltendes Recht selbstherrlich in größtmöglichem Umfang missachtet, entbindet mich und alle Dieselfahrer nämlich davon, uns rechtstreu zu verhalten, sollten wir unser Verhalten für alternativlos halten und nicht wissen, was wir anders machen sollten.

Hat mal jemand ganz schnell eine Tüte bitte …

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