Oktober 24, 2017

Schachspieler Putin

Schachspieler Putin

Die Kunst des Schachspiels besteht auch darin, die Intentionen des anderen zu erraten, im Denken seinem Gegner stets einige Züge voraus zu sein – und das Beste aus jeder Situation zu machen.

Und der Unterschied zwischen einer Marionette, die ferngesteuert die Seil-Züge der Spieler, die auch wieder an Strippen hängen, auszuführen und keine eigene Gestaltungsmöglichkeit hat, und einem „Strippenzieher“ wird immer dann deutlich, wenn es darum geht, unerwartete Situationen zu meistern – dann agiert ein Politiker, der diese Bezeichnung verdient, und ein Politiker-Darsteller reagiert – oder auch nicht, wenn die Fäden schlaff bleiben…
Luckyhans, 22. Oktober 2016


Beginnen wir mit einer blitzgescheiten Analyse der Politik des Monatsanfangs, die uns gleich etwas Neues präsentiert:

Willkommen in der multipolaren Welt

 

 

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Es gibt eine Logik der Vorhaben und eine Logik der Umstände,
und die Logik der Umstände ist stärker als die Logik der Vorhaben.“ – Josif Stalin

Dieser geniale Aphorismus von J.W.Stalin trifft vollständig und absolut für die Analyse der Handlungen beliebiger Führer überhaupt, und politischer Führer im besonderen, zu.
Mein Vorschlag ist, die Handlungen Putins mit diesem Axiom im Hinterkopf zu analysieren.
(ein Axiom ist ein Grundsatz, der als geltend vorausgesetzt wird – ob das so sein kann, wenn man bedenkt, daß auch die „Umstände“ GEMACHT werden, darf jeder selbst überlegen – d.Ü.)

Menschen, die noch nie führend tätig waren und in ihrem Leben noch nichts organisiert haben, verfügen über einen verschrobenen Stereotyp über die Möglichkeiten eines Leiters, auf die Prozesse Einfluß zu nehmen, die in der von ihm geführten Organisation vor sich gehen.
Daher müssen wir zu Allegorien greifen.

Solange ihr zu Fuß geht, sind eure Möglichkeiten, die Richtung der Bewegung zu ändern, praktisch unbegrenzt – ihr könnt euch leicht um 180° drehen, augenblicklich stehenbleiben, euch umorinetieren und leicht nach links oder rechts schwenken.
Da seid ihr allein und steuert nur mit eurem Hintern.

Sobald ihr euch an das Steuer eines Autos setzt (einer Organisation), verringern sich die Möglichkeiten der Auswahl der Bewegung sofort und heftig. Am Steuer des Autos ist man natürlich viel schneller und angesehener, aber wie sich zeigt, ist es schon nicht mehr möglich, überallhin zu fahren, sogar dann, wenn das Auto ein Geländewagen ist.
Und im Maß der Zunahme der Geschwindigkeit verringern sich die Möglichkeiten, ungestraft am Steuer zu drehen, überhaupt kategorisch.

Und nun ergänzt dazu bitte noch all die äußeren Umstände, zu denen gehören: Schlaglöcher, Spurrinnen, schlechtes Wetter und Massen von Mißgönnern, die aktiv die Windschutzscheibe verschmutzen, auf das Dach und vor die Räder des Autos Pflastersteine werfen, am Fahrwerk nagen, ständig den Kraftstoff mit „Eselsharn“ verdünnen und aktiv alle verfügbaren Magistralen verminen – dann wird das Bild der Bedingungen, unter denen der Führer-Chauffeur tätig ist, fast vollständig.

Ich weiß nicht, ob man auch laut herumlallende Mitfahrer als Umstände bezeichnen kann, von denen jeder davon überzeugt ist, daß der Weg, welchen er vorschlägt, der richtige und sichere ist, und die beim Lenken nur nach der alten bekannten Methodik helfen: „Jetzt weiter links, noch weiter links… schneller jetzt, mach schon, nicht anhalten… und jetzt steig mal aus und sieh dir an, was du angerichtet hast…“

Die Mitkämpfer und „Mitkämpfer“ sind überhaupt ein getrenntes Thema. „Gesicht an Gesicht sieht man nichts, mehr sieht man auf Entfernung…“ hat vor 100 Jahren Jessenin (ein sehr beliebter russischer Lyriker – d.Ü.) so treffend bemerkt.
Und ich würde gern, bevor ich die Personalpolitik Putins erörtere, an einige klassische Beispiele unguter Mitkämpfer erinnern – Christus/Judas, Caesar/Brutus, Iwan Grosnyj/Kurbskij, Stalin/Trotzkij/Chrustschow…

 

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Absteigend vom Olymp auf das Niveau der eigenen Erfahrung ist festzustellen, daß fast immer, wenn ich in irgendeine Organisation als Krisenmanager gekommen bin, mir unbedingt ein und dasselbe Bild entgegenkam, und zwar die totale Vereinsamung des Führers inmitten der Mitkämpfer, deren Vorhaben und Ziele nicht nur stets auseinandergingen, sondern den Vorhaben und Zielen des Führers genau entgegengesetzt waren.

Die Anwesenheit von wenigstens 2 – 3 wirklich Gleichgesinnten in der Umgebung des Führers haben ihn zu allen Zeiten praktisch unsinkbar gemacht. Aber sogar das Vorhandensein solcher Leute hat bisher noch keinen Führer von der unbedingten Anwesenheit von „Hinterfotzigen“ im Kreis der „nahen Truchsessen“ befreit.
Und natürlich ist das einer der mächtigsten Umstände, die auf das Gesamtergebnis Einfluß ausüben.

Die Zahl dieser Umstände und die Kraft ihres Druckes ist so, daß ein beliebiger Führer, darunter der politische, rund um die Uhr beschäftigt ist mit Problemen des Parierens der ständig auftauchenden Bedrohungen, deren Ignorieren zum wirtschaftlichen oder auch politischen Zusammenbruch führt.

Die Fragen „Womit sich beschäftigen?“ und „Welche Reform aus Langeweile trüben?“ entsteht da überhaupt nie, bei keinem. Anstelle dessen sind ständig andere präsent: „Wo zusätzliche Mittel hernehmen für das Zustopfen der ungeplanten Löcher?“ und „Womit die ganze Konstruktion abstützen, damit sie nicht morgen zusammenfällt?“

Die Logik der Vorhaben Putins ist eine edelmütige und nicht nur einmal ausgesprochene: „Wir werden Gewaltanwendung gegen eine friedliche Bevölkerung nicht zulassen (Ukraine)!“, „Die Terroristen und deren Helfer werden wir in ihrer Höhle erledigen…“, „Ich möchte, daß die Regierung in Moskau, die Regionalmachthaber und die Föderations-Machtorgane in den Territorien der RF laufen wie Schweizer Uhren, ständig, ununterbrochen, bis zur Wahl und sofort nach der Wahl…“

Mit den Vorhaben ist überhaupt in Rußland alles in Ordnung. Schlecht steht es mit den Umständen:

1) Der Hauptkäufer der russischen Exportwaren ist Europa, und dies ist auch der Lieferant der hochtechnologischen Ausrüstungen und einer riesigen Menge an Konsumgütern. Und man kann sich über die Verträge mit China freuen soviel man will, aber das Geld dafür kommt morgen, und das aus Europa kommt heute, und zwar in solcher Menge, daß beim Abreißen dieses Stroms die Wirtschaft, und zusammen mit ihr die Verteidigungsfähigkeit, zurückfallen in die „frühe Jelzin-Epoche“.
Und was wird dann mit den im Westen aufgenommenen Krediten? Womit und wie werden wir sie zurückzahlen, wenn die Valutaeinnahmen ausbleiben?
Wovon werden wir die notwendigen Ausrüstungen und Ersatzteile kaufen für den Erhalt der Arbeitsfähigkeit der laufenden Produktion?

2) Auf dem Binnenmarkt sind die Hauptfüller des Budgets und die natürlichen Verbündeten im Kampf mit den globalen Bankstern die Rohstoffleute, welche die Einnahmen hier und jetzt gewährleisten. Denen die Einnahmen wegnehmen?
Womit sollen dann Renten und Unterhalt, Lohn für Lehrer und Ärzte gezahlt werden? Und die übernommenen erhöhten Verpflichtungen für soziale Garantien?
Und die bis zur Unanständigkeit angeschwollenen „Machtorgane“ und die Fehler der Beamten, die wie das Elektorat in Friedenszeiten gut sind, aber in einer Mobilisierungszeit höchstens noch für das Strafbataillon taugen? Wohin mit diesem Koffer ohne Griff?

3) Der Verwaltungsapparat ist überhaupt ein Lied. Ja, er ist knorrig und löchrig. Zurückkehrend zu unserer Auto-Analogie: das Fahrwerk wackelt, die Räder sind ausgeschlagen, wenn man Gas geben will, ruckelt der ganze Apparat wie im Fieber.
Man müßte anhalten, Spur und Sturz neu einstellen, die Räder auswuchten, das Fahrwerk nachziehen, aber wie? Wie soll man Rußland anhalten?
Also muß man Flicken machen und irgendwie während der Fahrt reparieren, ohne dabei heftige Lenkbewegungen zu machen, damit nicht das ganze Land ganz ohne Verwaltung bleibt.

 

Alle diese Umstände sind hinreichend objektiv und geeignet, die eigenen Vorhaben in die Ecke zu stellen und die dringlichen Aufgaben anzugehen: zur Gewahrleistung der Stabilität der Absatzmärkte und derselben Stabilität innerhalb des Staates, wo das Volk der Revolutionen müde geworden ist, weshalb revolutionäre Losungen den Ergebnissen genau entgegengesetzt entsprechen.

Eine Revolution ist, wenn das jemand vergessen hat, ein Wechsel der Eigentümer der Produktionsmittel.
(daß „Revolutionen“ stets mit viel Geld und Aufwand „organisiert“ wurden und werden, scheint noch nicht beim Autor angekommen zu sein – siehe „Die Revolutionsprofis“ auf der Duröhre – d.Ü.)
Und wenn die Frage „wem wegnehmen“ heute nicht entsteht, so wird wer auf die Frage „wem das Weggenommene geben?“ antworten?
„Dem Volk“? Und wer ist das?
Nationalisieren? Das heißt zur Nutzung, zum Besitz, in die Hände des modernen Beamteten geben? Und danach beginnt das GLÜCK? Wirklich?

Der frisch eingeknastete „Kämpfer gegen die Korruption“ Oberst Sachartschenko (bei dem daheim man Dollar-Scheine und auch bare Rubel in sehr großer Menge gefunden hatte – d.Ü.) und die frischeingelieferten Bürgermeister und Gouverneure applaudieren den Revolutionären stehend…

Die Frage einer neuen Elite, welche die alte ersetzen und gerecht, vernünftig und verantwortlich „walten“ soll, steht nicht nur scharf und nicht nur in Rußland.
(da ist sie wieder, die überhebliche „Elitengläubigkeit“, welche dem „einfachen Menschen“ glatt die Fähigkeit abspricht, für sich und sein Leben selbst verantwortlich zu sein – d.Ü.)
Diese Frage ist schon überreif und schon gefallen, aber (meiner Meinung nach) hängt sie überhaupt nicht mit dem Wunsch oder Nichtwunsch des Führers zu sammen, diese Elite zu „gebären“, sondern ausschließlich von eben jenen Umständen, deren erster die bevorstehende technologische Revolution ist, welche ein weiteres Mal die Produktivkräfte und die damit verbundenen Produktionsverhältnisse verändern wird.

Die Evolution der Produktionsmittel, der Wechsel der technologischen Formation, die weitere Robotisierung, Miniaturisierung und Informatisierung der Produktion und der Logistik, die damit verbundenen unausweichliche Verringerung des industriellen Energieverbrauches und, obendrauf noch, die energetische Revolution von der Art der kalten Fusion, führen unweigerlich und unabhängig von den Wünschen der jetzigen Machthaber unbedingt zur Formierung einer neuen technokratischen Elite, welche in der Effektivität mit der jetzigen sich wird messen können.
(und wenn diese ganzen „technologischen“ Denkspiele sich einfach nur als eine strikte Weiterführung des bisherigen Irrweges in die Sackgasse einer übertrieben technisch orientierten Zivilisation erweisen? – d.Ü.)

Die Entwicklung von Mitteln der visuellen Fixierung und Übermittlung von Informationen über beliebige Entfernungen, dergestalt die Schaffung eines globalen Netzes für den Austausch und das Verifizieren von Informationen haben schon neue Bedingungen für die Existenz der Eliten geschaffen, unter denen sie sich alle wie in einem Glaskasten befinden, mit dem vollständigen Fehlen irgendwelcher Möglichkeiten zur Geheimhaltung des eigenen Privatlebens und mit neuen Anforderungen und Erwartungen an die geführte Bevölkerung, denen man entsprechen muß. (das sind sehr fragliche Postulate – d.Ü.)

Und die Elite wird nolens-volens gezwungen sein, zwischen dem eigenen Komfort und dem vollständigen Verlust der Loyalität und infolge dessen der Lenkbarkeit zu wählen.
Und wer da falsch wählt, wird einfach durch eine andere Elite ersetzt, die einverstanden ist, den Anforderungen und Erwartungen zu entsprechen.

Ich schreibe diese Worte im Verständnis, daß eine beliebige Bemerkung über die Objektivität der vor sich gehenden Prozesse, welche die führende Elite zwingen kann, so zu handeln, wie sie vielleicht gar nicht will, ein weiteres Mal auf den metaphysischen Glauben der Leser treffen wird, daß die Machthaber ausschließlich das tun werden, was von früh an der eigene Wunsch gebietet, alle Gesetze des Weltalls einschließlich der Gravitation ignorierend.
(nun, über die sogenannte Objektivität und die ebensowenig „objektive“ Realität haben wir uns hier ja schon oft ausgetauscht – meine Zweifel an beidem sind bekannt –, ebenso die Zweifel an „Gesetzen“ des Weltalls, welches auch ohne „Gesetze“ sehr gut zu funktionieren scheint: es würde anders einfach nicht existieren – d.Ü.)

Der Versuch, den elementaren Gedanken, den schon die Zweitklässler kennen, daß nicht nur die Schüler, sondern auch der Lehrer durchaus nicht frei ist in seinem Recht zu bestimmen, was im Unterricht gemacht wird, ruft bei Erwachsenen eine nicht spaßige Hysterie hervor, welche in wundervollen, sich gegenseitig ausschließenden Losungen endet:

1. Macht ist Kacke, und zwar für immer.

2. Diese Macht wird es nicht mehr lange geben, bald geht es los.

3. Bald kommen alle Guten und verjagen alle Schlechten.

4. Soll doch die jetzige Macht sich selbst damit befassen…

Wunderlich, nicht? Besonders was die baldige Ablösung der herrschenden Elite durch eine andere betrifft, die ausschließlich gewissenhaft, besorgt, weich und warm sein wird wie ein Kopfkissen.

Der Versuch, etwas Näheres von diese wunderbaren fehlerfreien Ankömmlinge zu erfahren, führt die Gesprächspartner in „das lichte Reich des Sozialismus“, wo es keinerlei Gebrechen gab, und die Parteinomenklatura der UdSSR rund um die Uhr sich den Kopf zerbrochen hat ausschließlich darüber, wie man den Komfort für die Arbeiter und Bauern erhöhen könnte, und die ausschließlich besorgt war, das sozialistische Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten – jedem nach seiner Leistung“ zu beachten.

Die Frage: „Und wer hat dann im Jahre 1991 sein Land den Angelsachsen übergeben, wenn nicht die Parteinomenklatura?“ führt dann zu noch kindlicherem Beleidigtsein und zur Wendung des Gespräches in die Sackgasse: worüber soll man mit dir reden, wenn du nicht mit mir einverstanden bist?…
(daß dieses ganze Elite-Denken falsch sein könnte, kommt dem Autor gar nicht in den Sinn – d.Ü.)

Und es sind ja nicht nur ein- oder zweimal die Beweise angeführt worden, ganz einfach gezeigt worden, daß die neue Elite stets aus der alten hervorwächst, und nicht auf Geheiß einer höheren Macht, sondern ausschließlich unter dem Druck der äußeren Umstände.
Genau diese äußeren Umstände haben im Jahre 1917
60% des Offizierskorps der zaristischen Armee gezwungen, im Bürgerkrieg gegen ihre Regimentskameraden zu kämpfen.
Genau sie –
die äußeren Umstände – waren der Grund des massenhaften Übergangs der Adligen auf die Seite der Revolution…
(auf die Idee, daß diese „äußeren Umstände“, wie auch „Revolutionen“, ebenfalls GEMACHT werden, kommt der Autor leider auch nicht – d.Ü.)

Genauso war auch im Jahre 1991 genau die Logik der Umstände, welche wie Stalin sagte, immer stärker ist als die Logik der Absichten, welche die sowjetische Nomenklatura in das Lager des Antikommunismus überführt hatte und dementsprechend zum Auseinanderfallen der UdSSR.
Und genau sie wird aus dem Milieu der Rottenbergs und Abramowitschs jene hervorbringen, die geleitet ausschließlich vom Instinkt der Selbsterhaltung beginnen, die jetzigen allgegenwärtigen Bereicherungen am Staatshaushalt mit neuem Leben zu erfüllen.
Und nicht deshalb, weil sie so gewissensgeplagt sind, sondern weil es anders mit dem Überleben nicht mehr klappt.

Und eine andere Elite war und ist nicht da und auch nicht in Sicht. Nur jene, die aus der vorherigen Elite herauswachsen, wie aus den kurzen Hosen der Kindheit. Nie und nirgends war es anders. (das ewige „Argument“ all jener, welche keine wirkliche Veränderung wollen – vielleicht wird es nun endlich mal Zeit, daß es „anders“ wird? – d.Ü.)
Nicht unter dem Zaren, nicht unter den „Kommissaren mit den staubigen Helmen“, welche übrigens fast vollständig zu Null gesetzt wurden von der Stalinschen Garde in den 30ern.

Der heutige soziale Aufbau ist nicht ewig. Und was für einen dann – den, welchen der Doktor verschrieben hat?

Egal welche Variante der Entwicklung wir auch prüfen und welche Lebensparameter wir auch immer einsetzen, auf jeden Fall ist eingangs zu entscheiden, was mit der heutigen Überproduktion an Kreditverpflichtungen und den Nichtstuern zu tun ist, und zwar unter den Bedingungen, daß letztere ständig ersteres generieren und umgekehrt.

Und was machen wir mit dem totalen Defizit an Verantwortlichkeit? (klar, nur die „Elite“ kann verantwortlich handeln… tut sie das? wo und wann? – d.Ü.)

Die Patrioten beantworten diese Fragen nicht. Nicht die westlich orientierten, nicht die bodenständigen. Alle schlagen vor, etwas wegzuschaffen, umzuwerfen, annihilieren. Alle stört irgendwer.
Und alle zerbrechen an der Frage: und warum stört’s denn? Was baut ihr denn so Interessantes?
Erzählt uns, zeigt uns was die Pläne und Projekte sind. Vielleicht muß niemand isoliert oder liquidiert werden – vielleicht laufen alle mit hochgekrempelten Hosenbeinen von selbst in die lichte Zukunft…
Ihr schweigt, nächste Niederwerfer und Zerstörer „der alten Welt bis auf die Grundmauern“?

 

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Nun, dann erlaube ich mir, von der Theorie zur Praxis überzugehen und einige Beobachtungen über die Handlungen Putins darzulegen, der genauso versucht, nicht die Menschen, sondern die Umstände zu verändern, welche auf diese Einfluß haben…

Ich persönlich bin beeindruckt vom Ausmaß der Marketing-Kampagne, welche in den letzten 2 Jahren die russische Armee und den russischen MIK (Militär-Industrie-Komplex – d.Ü.) begleitet.
Die unterschiedlichsten militärischen Wettbewerbe, die in der Welt kein Gegenstück haben (Panzerbiathlon, Avia-Darts u.a.), auf denen es mehr Videokameras gibt als Militärtechnik, neue Ausstellungen und Waffenmärkte, als Sahnehäubchen dann sehr effektvoll beleuchtete Waffen-Vorführungen unter den Bedingungen des realen Kampfes…

All das schreit direkt aus den Bildschirmen und Zeitungsspalten, daß Rußland in Person Putins seine Position als „Tankstelle“ der Welt diversifiziert und ergänzt, verändert in eine Rolle des Händlers mit höchsttechnologischen Produkten in der Welt mit dem höchsten Mehrwertanteil – modernen Waffen.

Welche neuen Umstände entstehen durch diese Veränderungen?

1) Es verändert sich die Rolle der Regionen Rußlands, an deren Entwicklung die Rohstoffleute nur sehr fragmentarisch interessiert waren – nur in den Regionen mit Rohstoffvorkommen sind deren Büros. Weder das Land, noch die Bevölkerung außerhalb der Grenzen dieser Regionen hat die Rohstoffleute objektiv interessiert.
Daher sin die „15 Mio. Bevölkerung für die Betreuung der Lagerstätten und Rohre“ nicht etwas ein verantwortungsloser Auswurf eines verrückten Politikers, sondern die durchaus objektive wirtschaftliche Realität.
Für das Marketing des MIK ist eine solche Philosophie kategorisch unpassend.

2) Waffenhändler haben eine andere Philosophie. Das Marketing des MIK hat sich stets auf das Image der Armee gestützt, deren Unbesiegbarkeit bei niemandem Zweifel hervorruft. Und was für eine verdammte Unbesiegbarkeit hätte eine Bevölkerung von 15 Mio.? Ja, in der modernen Welt sind auch 150 Mio. nicht besonders, so daß die Idee einer russischen Milliarde für den MIK durchaus nicht fremd ist, sondern im Gegenteil – sehr aktuell und den Exportinteressen entsprechend. (dazu ist zu wissen, daß in Rußland der Spruch von der „Goldenen Milliarde“ des Westens, die angeblich auf Kosten der gesamten Menschheit sich ein schönes Leben macht, sehr weit verbreitet ist – d.Ü.)
So daß child-free und Waffenhandel unvereinbare
Antagonisten (kein Pleonasmus? – d.Ü.) sind in einem Land.

3) Der MIK – das sind stets high-tech-Technologien, welche von gebildeten, schöpferischen und engagierten Menschen geschaffen werden, und diese Charakteristika passen nun so gar nicht zum EGE und noch weniger zum Bologna-Bildungssystem – sie haben nirgends Berührungspunkte zum Lebensstil der Boheme und des Office-Planktons, sondern konkrete Konflikte mit dem Glamour, der zwar passend ist zur Entsorgung einer überschüffigen Geldmenge, aber so gar nicht passend für die Lösung von Produktionsaufgaben.
(dazu wäre jetzt eine Menge zu sagen – hier nur soviel: im russischen MIK sind zwar noch wissende Ingenieure und Techniker vorhanden, die „sich nicht in den Markt eingepaßt haben“, aber die sind zu über 90% schon über 55 Jahre alt! – zwar kommen junge Leute nach, aber die sind zu über 90% noch unter 35 – die Lücke dazwischen ist gigantisch: eine ganze Generation ist auch in Rußland durch die Jelzin-Periode und deren Folgen „verwestlich-verweichlicht-zombisiert“ und damit für die „angestrebte“ moderne Gesellschaft „unbrauchbar“ – d.Ü.)

4) Der MIK erfordert stets eine Konzentration einer Unmenge von Ressourcen, welche man nie konzentrieren kann, wenn man sich von der Logik des unbegrenzten Wachstums des individuellen Verbrauchs leiten läßt.
Deshalb ist die nationale Mobilisierung (für Westler analog: die puritanische, asketische Moral) ein notwendiges und unbedingtes Attribut eines langfristigen Erfolges auf dem Waffenmarkt.
(auch hier wieder: nicht ganz – die VSA haben gezeigt, daß moderne Waffen und individueller Verbrauch durchaus kein Gegensatz sein müssen, auch wenn dies nur auf Kosten der Ausbeutung der ganzen Welt möglich war – aber die Verlagerung der „sonstigen“ Industriezweige nach Asien war ja ausschließlich der Gier der VSA-„Eliten“ geschuldet – d.Ü.)

 

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„Für mich ist Rußland mein ganzes Leben!“ W. Putin

Diese Veränderungen selbst und die klare Neigung des Staates (und auch Putins persönlich) zur Seite des MIK sind auch nicht irgendeine geniale und tolle persönliche Entscheidung, sondern entstehen unter dem Druck der äußeren Umstände, deren wichtigster der gute Appetit „unserer westliche Partner“ ist, die ein weiteres Mal heiß darauf sind, wegzunehmen und unter sich aufzuteilen.
Und auch diese stehen unter Druck. Sie sind durchaus nicht frei in der Auswahl ihres Weges und der Ziele. Aber dazu demnächst.

Quelle: Источник oder http://webnovosti.info/news/4756/

– – – –

Soweit der Autor. Unter dem Blickwinkel des obig angezogenen ersten Artikels, der auch mit einer RIA-Analyse von R.Ischtschenko ziemlich weitgehend übereinstimmt, ist es angebracht, ein paar Worte dazu zu verlieren.

Es fällt auf, daß alle drei Analysten auf der früher sicherlich richtigen Stufe der Betrachtung politischer Kräfte steckenbleiben. Sie analysieren die Handlungen der VSA-Administration und der russischen Regierung sowie die internationale Politik.

Die wahren Machthaber dieser Welt können über seine solche Betrachtungen sicher nur milde Lächeln. Denn der nackte König samt seinem gesamten Gefolge hängt doch an den Strippen, an welchen von der internationalen Finanzoligarchie gezogen wird.
Und auch Herzog Rußland muß sich (noch) mit diesen Kräften arrangieren, solange der Petro-Dollar und das Zinseszins-Kredit-Ausbeutungssystem nicht endgültig gefallen sind.
Und daß DIESE Kräfte nicht so kindisch-kurzsichtig an ihren Machterhalt herangehen wie die VSA-Administration, sollte allen klar sein: DIE haben nicht nur ihren „Plan B“ in der Schublade, sondern auch noch Plan C und D zumindest.

Insofern wird es sehr interessant sein zu beobachten, welche Maßnahmen die internationalen Finanzkreise nun aus dem Stiefelschaft ziehen werden.
Auf jeden Fall ist wohl der russische Affront gegen den Prügelknecht (= das Inkassounternehmen der Hochfinanz) VSA auch für diese Herrschaften etwas unerwartet gekommen.
Werden sie sich zu einer impulsiven Reaktion hinreißen lassen?
Oder werden sie wie bisher das weitsichtige Spiel auf der langen Bank fortführen?

Die aktuelle Wirtschaftslage in der Welt ist bekanntlich sehr kompliziert, und der geplante Ablauf des Krisenszenarios scheint erstmal durcheinander gebracht.
Denn der wahrscheinlich vorgesehene neue Standort für die Superreichen und deren Herren in China ist noch nicht ausreichend abgesichert und eingerichtet. Zumal die aktuelle dortige Führung durchaus eigene Wünsche und Vorstellungen hat, die wohl auch mit der „normativen Kraft des Faktischen“ (den o.g. „Umständen“ – hier: der Krise der chinesischen Wirtschaft) nicht sogleich abzuschmettern sind…

Denn so langsam scheint es einigen klugen Leuten zu dämmern, daß der Grundfehler des kapitalistischen Wirtschaftssystems im Geld- und Finanzsystem steckt, in der langsamen Ausquetschung und schließlichen Erdrosselung der sog. Realwirtschaft, der Personen und der Staaten, d.h. der gesamten Gesellschaft, durch die Kredit-Zins-Schlinge.
Und daß man an diesem Fakt etwas grundsätzlich ändern muß, wenn es überhaupt ein Leben nach dem Kredit- und Zinssystem geben soll… und daß weder SZR oder ähnliche „Neue-Welt-(Ordnungs-)Währungen“, noch „goldgedeckte Währungen“ eine Lösung DIESES „Umstandes“ bewirken werden.

Daß es da wohl noch einiges an Vorbereitungen zu tun gibt, bevor man konkrete Schritte möglich sind, darauf deuten die weiteren Ereignisse hin: nach dem lauten russischen Nachdenken, keine RD-Raketentriebwerke für die Atlas-Raketen mehr an die VSA zu liefern, kam dieser Tage die Mitteilung, daß 2017/18 die Lieferungen von 14 Triebwerken erfolgen werden. Woraufhin der Käufer ULA sogleich versprach, diese nur für den Transport von Astronauten zur ISS zu verwenden – wenn das mal nicht nur ein Versprecher war…

Aber offensichtlich reicht man dem geohrfeigten König die Hand, vor allem wohl damit er nicht das Schwert ziehen und allzu heftig um sich schlagen kann…

Gleichzeitig betonte Putin dieser Tage, daß Rußland nicht nur mit seinen Ressourcen und seiner Armee stark ist, sondern daß seine Stärke auch in der Ge- und Entschlossenheit des russischen Volkes liegt – ein sanfter Hinweis, daß man sich recht sicher fühlt.
Und daß man auch die wirtschaftlichen Dinge im Griff hat, wurde mehrmals bestätigt, zuletzt beim internationalen Forum der Investoren.

Da wirken auch die Aufrufe eines Herrn Soros an das russische Volk, nun doch endlich mal dem Putin die Gefolgschaft zu verweigern, ein wenig hilflos-hysterisch.
Und wenn dann noch in China (!) mitgeteilt wird, daß die Philippinen darüber nachdenken, die VSA-Basen im Lande perspektivisch zu schließen, dann scheint da wohl doch einiges in Bewegung gekommen zu sein – hatte doch Präsident Duterte bereits unlängst erklärt, daß das jetzige gemeinsame Manöver mit den VSA das letzte dieser Art sein würde…

Klar daß hinter den Kulissen bereits heftig dagegen gearbeitet wird: Vietnam mußte nun erstmal allen ausländischen Militärbasen im Lande eine offizielle Absage erteilen – aber „was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern“ gegebenenfalls…
Ägypten hat jedenfalls noch nicht dementiert, daß man mit Rußland im Gespräch über einen Stützpunkt sei – und die russische Speznas macht auf der Halbinsel Sinai gemeinsame Trainings mit der ägyptischen, und Ägyptens Militär bekommt als erstes ausländisches einen Hubschrauber mit dem russischen Abwehrsystem „President-S“ – Nachtigall, ick hör dir trapsen…

Die ANALysten der RAND-Corporation haben dann auch gleich einen Niedergang der Großmacht VSA ausgemacht – das kommt mir doch ein bißchen zu schnell und zu bereitwillig.
Da scheint mir Mr. Makinde von Global Research mit seiner Einschätzung richtiger zu liegen, der sehr große Meinungsverschiedenheiten zwischen der Administration und dem Pentagon ausgemacht hat – ob da allerdings ein Militärputsch möglich ist, wage ich zu bezweifeln – sowas hat in den VSA keine Tradition…

Luckyhans

P.S. allen, die an der Entwicklung in Rußland, der internationalen Entwicklung und den Aktivitäten von Wladimir Putin informiert sein wollen, ist der tägliche Besuch der englischsprachigen Kreml-Seite zu empfehlen: http://en.kremlin.ru/events/president/news

Quelle: dudeweblog.wordpress.com

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